An der Ostseite des Willemdok und ziemlich genau an der Stelle, von der man einen tollen Blick über das Dock auf das Museum aan de Stroom hat, ist hinter dem Geländer am Boden das Bild eines jungen Mannes befestigt, der, vielleicht sogar an dieser Stelle, 2020 mit nur 28 Jahren gestorben ist. Ricardo heißt er und mit offenem Blick blickt er einen aus der Fotografie an. Fraglos ein memento mori an den Reisenden und Besucher von Antwerpen, der auf dem Godefridus Kaai das Willemdok passiert und auf halber Strecke für einen Blick auf das Museum oder ein Foto stehenbleibt. Klaar om op reis te gaan, Bereit für die Reise, steht auf der Plakette über dem Bild.
Das Bild von Ricardo beschäftigt mich noch, als wir uns später am Vormittag die alte Handelsbörse von Antwerpen anschauen. Noch ist nicht viel los und außer den wenigen Touristen, die die neugotische Handelsbörse besuchen und sich am Kaffeestand in der Börse vielleicht einen Kaffee holen, findet sich nur der eine oder andere Musiker ein, um in der wunderbaren Akkustik der Börse drei oder vier Stücke zu spielen. Als wir ankommen spielt gerade ein junger Spanier Gitarre. Den werden wir dann zufällig und später am Abend nochmals in der Boom Winebar hören, weil wir im De Muze, einer der ältesten Jazzbars Antwerpens, an diesem Abend keinen Platz mehr bekommen. In der Boom Winebar legt der Barkeeper zur Freude seiner Gäste noch selbst Vinyl auf. Und so kommt’s, dass ich nach gut vierzig Jahren mal wieder Peter Frampton Livealbum „Frampton Comes Alive“ zu hören bekomme.
Bevor wir zur Boom Winebar aufbrechen kommen wir vor dem De Muze übrigens noch mit einem Italiener ins Gespräch, der seit fünf Jahren in Antwerpen lebt und, so erzählt er uns, im Diamanthandel arbeitet. Als wir uns verabschieden, frage ich ihn noch rasch nach seinem Namen. Er heißt Ricardo.
