Xavier de Maistre: Reise um mein Zimmer

1790 wird der französische Schrifsteller Xavier de Maistre wegen eines unerlaubten Duells zu einem mehrwöchigen Hausarrest verurteilt. Aus den 42 Tagen, die er in Turin in einem Zimmer verbringen muss, wird ein Buch, dessen Erfolg auch ihn überraschte: die „Reise um mein Zimmer“. Ironisch aber auch selbstbewußt setzt sich de Mastre darin von der zur […]

Bryan Schutmaat: Broken Window

Umweltzerstörung, Verfall, Ermattung: Die Werkgruppe „Vessels (ongoing)“ des amerikanischen Fotografen Bryan Schutmaat schildert, wie er selbst sagt, ein Land in Not. Im Stil der Open-Road-Fotografie, durchaus aber mit allegorischem Charakter, zeigt „Vessles“ die Auswirkungen wirtschaftlicher Enteigung und gesellschaftlicher Verwahrlosung sowie die Folgen des selbstzerstörerischen Raubbaus an der Natur. Beispielhaft für diesen dokumentarisch-allegorischen Ansatz, der an […]

Da schwang die Schaukel durch den Schmerz

Da schwang die Schaukel durch den Schmerz -, doch siehe, der Schatten wars des Baums, an dem sie hängt. Ob ich nun vorwärtsschwinge oder fliehe, vom Schwunge in den Gegenschwung gedrängt, das alles ist noch nicht einmal der Baum. Mag ich nun steiler schwingen oder schräger, ich fühle nur die Schaukel; meinen Träger gewahr ich […]

Anna Di Prospero, Selbstporträt mit meiner Mutter

Der Blick des Betrachters fällt von außen nach innen. Er steht augenscheinlich vor einer Glasscheibe, hinter der, der Bildunterschrift zufolge, die Fotografin und ihre Mutter zu sehen sind. Die Mutter, links hinter der Tochter, hält dieser, während sie gegen den Himmel blickt, die Augen zu. Diese Geste bleibt indes in der Schwebe. Genauso wenig, wie […]

Benjamin Katz, Berlin Havelhöhe 1960/1961

Ein Mann steht tief im Bild an einer Straßenecke. Er steht im Licht, das zwischen zwei Häusern hindurchscheint. Ein letzes Mal blickt er zurück. Gleich wird er links zwischen den Häusern verschwinden. „Berlin Havelhöhe 1960/1961“ hieß die Ausstellung, die jüngst im Museum Ludwig in Köln zu sehen war. Das Bild des Mannes an der Straßenecke […]

Die Mütze

„Aber ich will sagen, das war letzten Sonntag, nicht heute, und ich will sagen, dass ich heute auf dem Weg eine Mütze gefunden habe, und dass ich diese Mütze jetzt, während ich dies aufschreibe, aufhabe, ja ich habe die gefundene Mütze aus verschiedenen Gründen auf … diese graue, dicke, derbe, schmutzige Mütze, ich habe sie […]

Thomas Bernhard kauft sich ein Auto und fährt bis nach Retz

„Und die Wahrheit ist, daß ich nur im Auto sitzend zwischen dem einen Ort, den ich gerade verlasen habe und dem andern, auf den ich zufahre, glücklich bin, nur im Auto und auf der Fahrt bin ich glücklich, ich bin der unglücklichste Ankommende, den man sich vorstellen kann, gleich, wo ich ankomme, komme ich an, […]

Food Porn

Das Abfotografieren von Essen hat mittlerweile auch gehobene Restaurants erreicht. Dort führt es, wie jüngst beklagt wurde, in den Küchen und im Service zu einer Veränderung der Taktzeiten und beim Kunden dazu, dass das auf den Punkt gekochte und servierte Essen schon mal kalt werden kann, bis alles abfotografiert, kommentiert und geteilt ist. Indem alle […]

In Betrachtung von Fotografien

„Sie hatten keine Gesichtszüge mehr, sie hatten nicht einmal mehr Gesichter.“Thomas Bernhard, Auslöschung. Ein Zerfall Reale Fotografien und Fotobände bilden immer wieder das Material, an dem sich die Schmähreden von Thomas Bernhard oder die seiner Figuren entzünden. Wenn die Romanfigur Reger in „Alte Meister“ über den „lächerlichen nationalsozialistischen Pumpenhosenspießer“ Martin Heidegger herzieht, dann bilden Fotografien […]