Das Känsterle

Känsterle: Von lateinisch canestrum. Bezeichnet Korb, Kiste, Kasten, Behälter. Wird im Alemannischen auch als Bezeichnung für einen Küchenschrank verwendet.

Ende der 80er Jahre: Wir studierten noch, hatten dementsprechend nicht viel Geld, aber seit kurzen eine eigene Wohnung in Freiburg. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Sechzig Quadratmeter. Wofür schon mal gar kein Geld da war, war für Möbel. Wer, wie so oft aushalf, war mein Vater. Bei einem Antiquitätenhändler in Freiburg erstand er für wenig Geld ein Känsterle. Das war allerdings in einem Zustand, der aus unserer Sicht wenig Hoffnung versprach.

Mein Vater war Krankenpfleger. Er war es gerne, viel lieber aber wäre er Zimmerer oder Schreiner geworden. Er war geschickt mit Holz und am liebsten stand er in seinem Keller an seiner Werkbank. Hin und wieder aber unterliefen ihm kleine Unachtsamkeiten. So auch beim Känsterle, bei dem das linke und das rechte Stützbein verkehrt sind.

Dreißig Jahre und sechs Umzüge später steht das Känsterle immer noch in unserer Wohnung und es ist nicht zu erwarten, dass wir uns jemals von ihm trennen werden.