Xavier de Maistre: Reise um mein Zimmer

1790 wird der französische Schrifsteller Xavier de Maistre wegen eines unerlaubten Duells zu einem mehrwöchigen Hausarrest verurteilt. Aus den 42 Tagen, die er in Turin in einem Zimmer verbringen muss, wird ein Buch, dessen Erfolg auch ihn überraschte: die „Reise um mein Zimmer“.

Ironisch aber auch selbstbewußt setzt sich de Mastre darin von der zur damaligen Zeit verbreiteten und beliebten Reiseliteratur ab:

„Die berühmtesten Reisen können wiederholt werden: eien feine gestrichtelte Linie zeigt uns die Route auf allen Weltkarten an; und es sei jedem freigestellt, sich auf die Spuren dieser kühnen Männer, die die Reisen einmal selbst angetreten sind, zu begeben. Anders verhält es sich mit der Voyage autour de ma chambre. Sie ist ein für alle Mal gemacht und kein Sterblicher kann sich dessen rühmen, sie noch einmal anzutreten; umso mehr als die Welt, in der sie sich abspielte, nicht mehr vorhanden ist.“

de Maistres Bericht von seiner Zimmerreise, die einem Logbuch gleich jedem der 42 Tage ein eigenes Kapitel widmet, ist die Erkundung eines schon bekannten Erfahrungsraums. In den zuweilen kurzen Kapiteln berichtet er von Entdeckungen in der kleinen Bibliothek, die sich im Zimmer findet, von Bildern, die im Zimmer aufgehängt sind, von der Schönheit von Alltagsgegenständen, vor allem aber von seinem Alltag in diesen eineinhalb Monaten des Arrests.

Die Langeweile und die besondere Empfänglichkeit dieser Tage geben den Dingen und Gegenständen dabei jene eigentümliche Fremdheit zurück, die sie im Alltag verloren haben. Unter dem ungewohnten fremden Blick verwandelt sich das Alltägliche in das Besondere und gibt zuweilen längst verschüttete Geschichten wieder preis.