Medusa

Man kann das Fotografieren verstehen als als perspektivisch-apparative Zurichtung der Wirklichkeit auf einen einzigen Blickpunkt: den des Fotografierenden. Dem Blick des Fotografierenden steht aber allzu oft der Blick eines Anderen entgegen. In diesem Blick, der unseren eigenen durchkreuzt, werden wir gewahr, dass auch wir angeschaut werden und Objekt sind.  

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In einem kurzen Text für den Le Nouvel Observateur notiert Roland Barthes Ende der 1970er Jahre: “Noch einmal (obwohl der Nachmittag grau und kalt ist, fast düster) photographiert ein altersloser Japaner den Hintergrund der Place de la Concorde, mit Blick auf die fernen und neutralen Dächer des Grand Palais (eigentlich ist da nicht viel zu […]

Flucht 2.0

Was bewegt Menschen, ihre Heimat zu verlassen und eine lange, beschwerliche und gefährliche Flucht zu wagen? In der Ausstellung “Flucht 2.0 – An Odyssey To Peace” erzählen sieben Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien und Pakistan von Krieg, Unterdrückung und Verfolgung, denen sie in ihren Heimat ausgesetzt waren. Und von den Hoffnungen, die sie mit Deutschland verbinden. […]

Odradek

Odradek, Taboritská 8, Prag, 18. Juli 1994 ist nach Jeff Wall das zweite einer zwanglosen Serie von Fotografien, die Literatur zum Gegenstand haben. Die Fotografie nimmt Bezug auf Kafkas Erzählung Die Sorge des Hausvaters, die 1919 entstand. Jeff Wall notiert zu seinem Bild: „Kafka’s story’ Troubles of a Housholder’ tells of the existence of Odradek, […]

Bodenlos

Bodenlos. Vilém Flusser und die Künste gleicht weniger einem Parcours, einer festgelegten Strecke, denn einem Netzwerk, das mehrere Zugänge hat und das man auf unterschiedlichen Wegen begehen kann. Hier wird nicht in herkömmlichen Sinn erzählt. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Die räumliche Anordnung wie auch die Chronologie der Stationen und Exponate spielen keine […]

Selfie

Der Wunsch, sich selbst zu fotografieren, ist so alt wie die Fotografie. Im Oktober 1839, also schon wenige Monate nach der Erfindung der Daguerreotypie, nahm Robert Cornelius in Philadelphia das erste Selbstporträt auf. Cornelius, der zwischen 1839 und 1843 zwei der ersten Fotostudios in den Vereinigten Staaten betrieb, baute dafür auf der Rückseite des Familiengeschäftes […]

Manipulationen

Vilém Flusser: Fotograf und Objekt Vilém Flusser identifiziert bei seiner phänomenologischen Analyse der fotografischen Geste drei wichtige Aspekte: die Suche nach einem Standort, von der aus die Situation zu betrachten ist; die Manipulation der Situation, um sich dem gewählten Standort anzupassen; sowie die kritische Distanz, die den Erfolg oder das Scheitern dieser Anpassung zu sehen […]

Jörn Vanhöfen. Nachwirkungen

Aftermath : Nachwirkungen, heißt ein Bildband des Fotografen Jörn Vanhöfen, der im Rahmen der diesjährigen Fototrienale RAY 2015 in den Opelvillen mit Arbeiten vertreten ist. Es sind, so versichert Vanhöfen im Nachwort zu Aftermath, die Nachwirkungen des „Glaubens an permanente Wachstumsmöglichkeiten mit ihren schier endlosen Profiten“, die er in seinen Bildern festzuhalten versucht. Gleichwohl und […]

Kehrseite der Dinge

Müll ist das, womit niemand etwas zu tun haben will. Wenn die Sorge das Dasein des Menschen bestimmt, dann soll das nicht für den Müll gelten: er wird entsorgt. Er ist das, was ausgeschieden wird und was man deshalb nicht sehen möchte: vorne die schöne Fassade, hinten der Müll. Müll ist die Kehrseite der Dinge.

Standpunkte zum Trinkglas

“Wir sagen zum Beispiel immer noch, ein Trinkglas sei kreisrund, obwohl es dies nur von einem einzigen, höheren Standpunkt aus ist, nämlich sub specie aeterni. Von anderen Standpunkten aus ist seine Öffnung elliptisch, oder es ist eine Gerade. Die Frage, wie es denn damit in Wirklichkeit steht, ist ein Unsinn. Man kann hingegen sagen, daß […]